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26. Juni 2020

Last Resort

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Cut my life into pieces

This is my last resort

Suffocation

No breathing

Don't give a fuck

if I cut my arm, bleeding

(Papa Roach)

2020 ist ein spezielles Jahr. Ein Virus legt eine ganze Stadt lahm. Wie haben die Besucher*innen des Jugend- und Stadtteilzentrums come2gether diese herausfordernde Zeit erlebt? Wie hat das alles für sie begonnen? Was hat sich für sie verändert? Was wird ihrer Meinung nach bleiben? Was hat sie besonders betroffen?

Wie wird sich dieser Frühling auf ihre Zukunft auswirken und was muss passieren, damit die Folgen für sie erträglich bleiben?

Anhand von Interviews soll das Projekt LAST RESORT diesen speziellen Frühling dokumentieren, die hier in unregelmäßigen Abständen veröffentlicht werden.

Interview mit Arno, Andi und Akay (Namen auf Wunsch der Burschen von der Redaktion geändert), 15 Jahre (Interview geführt am 21. 8. 2020)

Wie hat die Coronazeit für Dich begonnen?

Andi: Ich habe mich sehr, gefreut, keine Schule zu haben. Ich habe es sehr genossen.

Arno: Ich habe es auch genossen, hatte aber auch Schwierigkeiten. Vor allem bei den Hausübungen. Alles mit dem Handy zu machen, war sehr schwierig. Ich hatte zwar für kurze Zeit einen Laptop, habe aber immer mein Handy verwendet.

Was waren die Schwierigkeiten am Handy?

Arno: Leider habe ich nie auf meine E-Mails geschaut und war faul. Und es war für mich schwierig, die Aufgaben nach einer Zeit abzuarbeiten. Ich habe zu lange gewartet und bin dann durcheinandergekommen.

Akay, wie hat die Coronazeit für Dich begonnen?

Akay: Der Anfang, die Quarantäne war sehr chillig. Aber ich hatte keinen Bock auf Hausaufgaben, ich war auf zu faul.

Wie hast Du die Aufgaben gemacht?

Akay: Am Handy, am Laptop und auf Papier mit der Hand.

Was waren Deine ersten Eindrücke von der Krise?

Andi: Mir war vor allem langweilig. Ich habe die Situation nicht ernst genommen.

Arno: Ich habe es auch nicht ernst genommen. Ich habe gedacht, der Virus kommt nicht nach Europa oder Österreich. Dann ist es immer nähergekommen und ich durfte nicht mehr hinaus. Da habe ich das Virus ernster genommen. Vor allem wegen der Maskenpflicht und wegen der Aussagen der Politiker.

Akay: Mir war es am Anfang auch egal. Wenn ich den Virus bekommen würde, wäre es nicht so schlimm. Aber um meine Eltern mache ich mit Sorgen.

Was waren die größten Probleme für Dich?

Andi: Mir war das Ausgangsverbot egal, ich war jeden Tag draußen.

Akay: Wir drei haben uns jeden Tag getroffen.

Arno: Wir haben aber aufgepasst, dass uns die Polizei nicht sieht. Einmal sind wir davongelaufen.

Gab es Auswirkungen auf Deine Ausbildung oder Deine Arbeit aufgrund des Lock-Downs?

Andi: Ich gehe in die weiterführende HaSCH, zweite Klasse. Zuerst habe ich nichts gemacht, weil ich faul war, konnte mir am Ende aber in der letzten Woche sieben Fünfer ausbessern. Das aber nicht so schwer, weil in vielen Fächern nur die Hausaufgaben nachbringen musste.

Arno: Ich habe mich in einigen Fächern verschlechtert, bin aber am Ende durchgekommen. Aber ich fühle mich bereit fürs nächste Schuljahr.

Akay: Ich habe mich auch verschlechtert und hatte am Ende vier Vierer. Aber das Schuljahr habe ich bestanden.

Was bleibt für Dich von diesem besonderen Frühling?

Andi: Die Maskenpflicht.

Arno: Ich finde, dass die Menschen nicht zusammenhalten. Sie haben viel eingekauft, haben nur an sich und nicht an die anderen gedacht. Und dann sind in den Geschäften manche Sachen ausgegangen. Man muss im Supermarkt und in der U-Bahn Masken tragen.

Wie hat der Frühling Deine Zukunft beeinflusst und verändert?

Andi: Wäre die Schule nicht gesperrt worden, hätte ich bessere Noten bekommen.

Arno: Das geht mir genauso.

Was sind die kommenden Herausforderungen für Dich?

Andi: Ich muss den ganzen Stoff nachholen, den ich im Frühling nicht gelernt habe.

Arno: Ich muss dieses Jahr meinen Schulabschluss schaffen, ich komme heuer in die vierte Klasse.

Akay: Ich sehe keine besonderen Herausforderungen. Die größte wird sein, dass ich heuer nicht in die Türkei zu meinen Verwandten fliegen darf.

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Bild von Isa

Eugen, 18 Jahre (Fragebogen per Facebook aus Rumänien beantwortet am 21. 8. 2020)

Wie hat die Coronazeit für Dich begonnen?

Wie eine leichte Krankheit. Drei Monate lang gab es in Rumänien keine Infektionen, doch im Juni sind sie stark angestiegen.

Was waren Deine ersten Eindrücke von der Krise?

Dass es nicht so schlimm wird und dass es bald wieder vorbei ist.

Was waren die größten Probleme für Dich?

Ich hatte eigentlich keine Probleme.

Gab es Auswirkungen auf Deine Ausbildung oder Deine Arbeit aufgrund des Lock-Downs?

In unserer Schule arbeiteten alle von zu Hause. Jene Schülerinnen und Schüler, die Maturaarbeiten schreiben mussten, durften zwischen 2. Und 12. Juni wieder in die Schule, hatten aber einen speziellen Stundenplan und es galten Abstand- und Maskenregeln. Wir haben auch keine mündlichen Prüfungen gehabt und es waren maximal zehn Schüler in einer Klasse. Ich habe in drei Fächern maturiert: Rumänisch, Geschichte und Geografie. Alle drei Fächer habe ich bestanden.

Was bleibt für Dich von diesem besonderen Frühling?

Ich denke, dass unsere Regierung so viel wie möglich für unsere Sicherheit machen wird.

Wie hat der Frühling Deine Zukunft beeinflusst und verändert?

Ich denke, dass es in Zukunft besser gelüftete Räume geben wird.

Was sind die kommenden Herausforderungen für Dich?

Ich werde Öffentliche Administration in Cluj studieren. Nach Wien kann ich vorerst nicht mehr kommen, weil ich entweder einen Corna-Test machen muss, den ich mir nicht leisten kann, oder 10 Tage in Quarantäne muss.

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Bild von Isa

Interview mit Sofia, 12 Jahre (geführt am 19. 8. 2020)

Wie hat die Coronazeit für Dich begonnen?

Anstrengend und sehr blöd. Es kam alles so schnell und die Schule On-Line war sehr anstrengend, weil man nicht mitgekommen ist. Ich arbeitete am Handy und am Computer. Die Web-Sites haben manchmal gar nicht funktioniert, weil sich zu vielen Schülerinnen eingeloggt haben. Das hat sehr genervt.

Was waren Deine ersten Eindrücke von der Krise?

Ich hatte zu Beginn schon Angst, weil ich nicht wusste, was das war. Ich dachte, das wäre nur in China. Dann habe ich viel darüber gelesen. Als es dann zu uns kam, hatte ich schon Angst. Ich hatte Angst, dass ich mich infizieren könnte, oder irgendjemand aus meiner Familie. Vor allem um die, die nicht in Österreich leben. Ich habe Verwandte in Frankreich, Marokko, Kanada und Deutschland.

Was waren die größten Probleme für Dich?

Ich hatte Angst, dass ich die Klasse wiederholen muss. Vor allem wegen der On-Line-Aufgaben. Ich war sehr froh, dass ich die Klasse am Ende geschafft habe.

Gab es Auswirkungen auf Deine Ausbildung oder Deine Arbeit aufgrund des Lock-Downs?

In der Quarantäne war mein Schlafrhythmus kaputt. Ich bin immer um vier Uhr in der Früh schlafen gegangen. Dann hatte ich jeden zweiten Tag Schule und das war schwierig für mich, weil ich am Abend nicht einschlafen konnte. Ich wollte um 22.00 Uhr schlafen gehen und bin erst gegen zwei eingeschlafen.

Was bleibt für Dich von diesem besonderen Frühling?

Es ist noch nicht alles normal. Die Maskenpflicht ist geblieben. Wenn man seine Maske vergessen hat, wird man oft sehr unhöflich darauf aufmerksam gemacht. Einen Freund von mir ist das gestern passiert. Aber ich verstehe, dass die Leute unsicher sind.

Wie hat der Frühling Deine Zukunft beeinflusst und verändert?

Ich wollt mich in der Schule verbessern, aber weil wir so oft zu Hause waren, konnte ich das nicht zeigen. Ich hatte nur einen Monat Zeit, und das war zu wenig.

Was sind die kommenden Herausforderungen für Dich?

Ich weiß nicht. Abstand halten zu Leuten die nicht kenne. Bei Freunden fällt mir das Abstandhalten schwer, bei Fremden nicht. Ich will zu fremden Personen nicht unhöflich sein und sie auffordern, Abstand zu halten. Aber es ist für mich unangenehm, wenn mir wer zu nahekommt.

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Bild von Christian

Interview mit Vincent, 13 Jahre (geführt am 19. 8. 2020)

Wie hat die Coronazeit für Dich begonnen?

Die Anfänge habe ich in den Nachrichten mitbekommen und meine Mutter hat mir darüber erzählt, dass es diesen Virus in China gibt. Am selben Tag habe ich mit meinen Freundinnen und Freunden Masken geholt und haben uns darüber lustig gemacht. Das war einen Monat vor dem Lock-Down, daran kann ich mich erinnern. Wenn wir gewusst hätten, dass der Virus nach Österreich kommt, hätten wir keine Scherze darüber gemacht.

Was waren Deine ersten Eindrücke von der Krise?

Wenn ich ehrlich bin, hat es mich erst gar nicht interessiert. Ich dachte, mir wird nichts passieren. Asien ist so weit weg von hier. Zuerst habe ich mich gefreut, weil ich keine Schule hatte, aber dann wurde mir langweilig. Man vermisst seine Freunde, man will rausgehen.

Was waren die größten Probleme für Dich?

Das zu Hause zu bleiben. Meine Eltern sind geschieden und ich musste einmal zu meiner Mutter und einmal zu meinem Vater. Meine Mutter arbeitet sehr viel. Sie arbeitet in einem Krankenhaus.

Gab es Auswirkungen auf Deine Ausbildung oder Deine Arbeit aufgrund des Lock-Downs?

Ich hatte so gar keine Lust erst einmal in meinen Laptop einzusteigen, das hat alleine schon zehn Minuten gebraucht, bis dann die Website geladen war, hat das auch gedauert. Darum habe ich meiner Mutter gesagt, dass ich das schon gemacht habe. Ich zeigte ihr die Aufgaben, die ich am Tag davor gemacht hatte. Mein Vater hat mich dann gezwungen, alles nachzuholen. Das fand ich dann nicht so super.

Am Anfang gab es auch technische Probleme, die Seiten waren überlastet. Das hat mich richtig aufgeregt.

Was bleibt für Dich von diesem besonderen Frühling?

Ich keinen Bock mehr auf sowas, aber glaube, dass eine zweite Welle kommen wird. Es war schlimm, langweilig, nervig. Ich konnte nichts machen.

Wie hat der Frühling Deine Zukunft beeinflusst und verändert?

Ich glaube, ich habe in diesen drei Monaten viel zu viel nachgedacht, was ich machen werden, wenn ich wieder rausgehen darf oder was ich machen werde, wenn ich wieder in der Schule bin, was ich alles machen werde, wenn die Pandemie vorbei ist. Die ganze Geschichte war zu viel für mich.

Was sind die kommenden Herausforderungen für Dich?

Die Schule. Wenn eine zweite Welle kommt und die Schule wieder On-Line passiert, wird das sehr nervig. Man kommt in eine neue Klasse und muss über den Laptop neuen Stoff lernen. Und man muss lange auf Antwort warten, wenn man sich nicht auskennt.

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Bild von Isa

Interview mit Naomi, 16 Jahre (geführt am 19. 8. 2020)

Wie hat die Coronazeit für Dich begonnen?

Zuerst war ich sehr traurig. Ich konnte meine Freunde nicht sehen. Aber ich habe es ausgehalten. Ich hatte mein Handy, meine Geschwister.

Was waren Deine ersten Eindrücke von der Krise?

Ich wusste schon, dass es ausbrechen würde und dass die Quarantäne kommen würde. Ich hatte schon meine Theorien, das so sein würde. Dann habe ich es aber als relativ normal erlebt. Vor ein paar Jahrhunderten kam die Pest, jetzt haben wir Corona, es wird ein Heilmittel gefunden werden. Also habe ich nicht so viel Stress.

Was waren die größten Probleme für Dich?

Das größte Problem war, dass ich meine beste Freundin nicht sehen konnte. Das war schwer. Wie haben uns geschrieben und per Video gechattet. Aber das ist halt was anderes.

Gab es Auswirkungen auf Deine Ausbildung oder Deine Arbeit aufgrund des Lock-Downs?

Ja, positive sogar. Ich habe mich in vielen Fächern verbessert, sogar in Englisch. Ich konnte mehr lernen und hatte mehr Zeit für mich selbst.

Was bleibt für Dich von diesem besonderen Frühling?

Masken mitnehmen, Hände desinfizieren. Das bleibt für mich.

Wie hat der Frühling Deine Zukunft beeinflusst und verändert?

Ich habe mich verändert, ich konnte an mir arbeiten. Ich habe auch Lieder geschrieben. Ich habe Beats gesucht und gefunden. Ich hatte Zeit für mich und das war schön.

Was sind die kommenden Herausforderungen für Dich?

Gar nichts. Ich schaff alles.

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Bild von Petimat

Interview mit Marcel, 15 Jahre (geführt am 19. 8. 2020)

Wie hat die Coronazeit für Dich begonnen?

Am Anfang war ich nur zu Hause, ich durfte nicht hinaus. Es war mir langweilig. Ich habe wenig gelernt, viel Play-Station gespielt. Am Ende habe ich dann doch in meine Unterlagen geschaut.

Was waren Deine ersten Eindrücke von der Krise?

Am Anfang habe ich die Situation sehr ernst genommen. Ich habe gehofft, dass niemand von meiner Familie infiziert wird. Nach einiger Zeit habe ich mir aber gedacht, dass das alles nicht stimmen kann, dass da mehr Politik, mehr politische Ideen dahinterstecken.

Was waren die größten Probleme für Dich?

Das größte Problem war, dass ich nicht zu meinen Großeltern konnte. Ich habe mich sehr um sie gesorgt, aber durfte nicht hinaus, um ihnen zu helfen.

Was wurde Dir gesagt, warum Deine Großeltern nicht besuchen darfst?

Weil man doch nur zum Einkaufen die Wohnung verlassen durfte. Und ältere Personen hatten eine höhere Chance, infiziert zu werden.

Gab es Auswirkungen auf Deine Ausbildung oder Deine Arbeit aufgrund des Lock-Downs?

Ja, ich habe mich in der Schule etwas verschlechtert. Ich habe keine Hausaufgaben gemacht und mich um eine Note verschlechtert. Jetzt habe ich die KMS abgeschlossen und besuche im Herbst eine HTL.

Was bleibt für Dich von diesem besonderen Frühling?

Inzwischen habe ich meine Meinung geändert und glaube, dass der Virus wirklich gefährlich ist. Ist habe auch ein wenig Angst davor, mich zu infizieren und auch meine Eltern anzustecken. Angeblich gibt es im dritten Bezirk die meisten Corona-Fälle.

Woher hast Du diese Information?

Vieles aus dem Internet, ich schaue aber auch manchmal fern.

Wie hat der Frühling Deine Zukunft beeinflusst und verändert?

Für mich persönlich hat sich nichts verändert.

Was sind die kommenden Herausforderungen für Dich?

In der Schule werden wir in Gruppen eingeteilt sein und ich hoffe, dass es keine Maskenpflicht geben wird. Außerdem werde ich meine Großeltern in Serbien besuchen.

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Bild von Natalia

Interview mit G., Bursche, 12 Jahre (geführt am 19. 8. 2020)

Wie hat die Coronazeit für Dich begonnen?

Schwierig. Ich wusste nicht, was ich machen sollte, weil es sehr langweilig war. Ich konnte zu Hause immer nur das Gleiche machen. Ich habe PS4 gespielt, mehr nicht.

Was waren Deine ersten Eindrücke von der Krise?

Meine Eindrücke waren halt „Scheisse“. Dass man nicht hinausdurfte und dass sich so viele Leute auf der Welt angesteckt haben.

Was waren die größten Probleme für Dich?

Das größte Problem war, dass ich meine Oma nicht besuchen durfte. Ich lebte in der Zeit vor Corona bei ihr, musste dann aber zu meiner Tante ziehen.

Gab es Auswirkungen auf Deine Ausbildung oder Deine Arbeit aufgrund des Lock-Downs?

In der Schule konnte ich nicht damit umgehen, dass ich eine Maske tragen musste. Und meine Schularbeiten zu Hause zu machen, war für mich der komplette Horror. Ich kannte mich nicht mit dem Computer aus, meiner war fast kaputt. Darum konnte ich nicht arbeiten. Ich habe dann meine Aufgaben über das Handy gemacht, das war aber noch komplizierter.

Ich war bei meiner Lehrerin, um nach einem neuen Computer zu fragen, aber sie hat mir nicht helfen können. Es war für mich eine seltsame Begegnung. Sie hat sehr viel Abstand zu mir gehalten und hat mir die Arbeitsblätter fast zugeworfen. Ich gehe in die IBMS in Fischamend.

Was bleibt für Dich von diesem besonderen Frühling?

Für mich ist nicht alles ganz normal, weil die Maskenpflicht noch immer da ist. Vom Frühling ist für nichts geblieben außer das PS4-Zocken. Und dass ich noch immer bei meiner Tante wohne.

Was sind die kommenden Herausforderungen für Dich?

Die Schule. Mathe. Die Schule wird ganz normal beginnen, aber ich muss die Maske tragen.

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Interview mit Isa, 15 Jahre (geführt am 15. 4. 2020)

Du bist jetzt seit vier Wochen zu Hause in Quarantäne. Wie geht es dir?

Es ist ungewohnt.

Wie sieht dein Tagesablauf aus?

Ich steh um acht Uhr auf, manchmal auch früher. Dann schau ich einmal auf meiner Wochenliste, was ich machen muss, überlege, was ich zuerst mache. Damit es mir nicht zu viel wird, lege ich immer wieder eine Pause ein. Zu Mittag werde ich meistens fertig mit meinen Schulaufgaben. Wenn ich mich noch konzentrieren kann, arbeite ich ein wenig vor, damit ich am nächsten Tag weniger zu tun habe. Oder ich zeichne. Oder ich schaue ein paar Serien.

Hast du eine besondere Strategie gegen Langeweile?

Das passiert öfters. Besonders in den Osterferien hatte ich nicht so viel zu tun. Ich habe viel Zeit am Balkon verbracht und ein bisschen gechillt. Oder ich chatte per Video mit Freunden. Oder ich schaue mir Serien an, zeichne, lese, das ist verschieden.

Hast du einen Serientipp?

Ich schaue sehr viele Anime. Im Moment schaue ich eine, die ich schon gesehen habe, noch einmal an, weil sie mir so gut gefällt. Sie heißt „My hero academia“. Eine deutsche Serie, die ich mir auch ansehe, ist „Der Lehrer“.

Und was liest du?

Ich hatte als Klassenlektüre zwei Romane zu lesen, mit denen bin ich jetzt fertig. „Das Versprechen“ von Friedrich Dürrenmatt und „Die Mitte der Welt“. Jetzt lese ich gerade ein Buch fertig, dass schon vorher begonnen habe. Das heißt „Die Buchspringer“.

Wie kommunizierst du mit deinen Freundinnen und Freunden?

Das ist verschieden. Meistens über Skype oder Whats App. Houseparty habe ich mir installiert, aber ich muss zugeben, dass ich mich damit zu Recht nicht gefunden habe.

Ich freu mich, wenn die Quarantäne wieder zu Ende ist, dann kann ich wieder raus. Man muss dann aber immer noch aufpassen. Es ist aber nicht so schlimm geworden, wie ich es erwartet habe.

Wie wird es mit deinem Schulabschluss?

Ich habe heute von meinem Klassenvorstand eine Übersicht über die Aufgaben in allen Fächern bekommen. Wie es genau aussieht wissen wir nicht. Im Moment sieht es danach aus, dass wir Mitte April wieder in die Schulen kommen. Von Freundinnen aus anderen Schulen habe ich gehört, dass die schon ihre Noten wissen und dass sie fix aufsteigen werden. Bei uns ist das nicht so.

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Bild von Isa

 

Interview mit Marcel, 18 Jahre (geführt am 10. 4. 2020)

Du bist jetzt seit vier Wochen zu Hause in Quarantäne. Wie geht es dir?

Mir geht es ganz gut, die Quarantäne ist nicht so schlimm für mich. Ich bin zwar ein Mensch der sehr gerne an der frischen Luft spazieren geht und man darf halt nicht raus, außer man geht alleine spazieren oder in den Supermarkt. Aber ich finde das ganz in Ordnung, weil ich ja anderen Menschen nicht schaden will.

Hast du eine besondere Strategie gegen Langeweile?

Streamen ist ein großes Thema, wenn ich zu Hause bin. Ich schaue Serien auf verschiedenen Plattformen.

Und ich beschäftige mich mit Dingen, für die ich sonst keine Zeit hatte, zum Beispiel zeichnen. Das letzte Mal habe ich vor drei, vier Monaten gezeichnet und jetzt habe ich wieder die Zeit dafür gefunden. Ich nehme mir gerne Zeit dafür und die habe ich jetzt in der Quarantäne. Ich habe ein Projekt, dass ich alle meine Zeichnungen, die während der Zeit entstehen, sammle. Ich beschäftige mich dabei mit einfachen Objekten, die ich freihändig zu Papier bringe, zum Beispiel eine Polaroidkamera mit Bild, simple Landschaften mit einfachen Strichen oder auch kreative Grafiken.

Wie sieht dein Tagesablauf aus?

Ich gehe meistens zwischen ein und zwei Uhr schlafen und stehe zwischen sieben und neun Uhr auf. Bis zehn Uhr bleibe ich im Bett und sehe am Handy youtube oder Instagram. Dann mache ich mir ein Frühstück.

In der Quarantäne habe ich begonnen, öfter zu kochen. Bis jetzt habe ich nur selten gekocht, in der Schule oder zu Hause, fast nie nur für mich alleine. Seit Corona ist das anders geworden. Jetzt koche ich auch für mich. Eierspeise, Schnitzel oder Nudeln. Ich habe auch angefangen, Kuchen zu backen. Mit meiner Mutter habe ich zum Beispiel einen Zitronenkuchen mit Schokoglasur und Kokosflocken gemacht. Meine Mutter ist eine sehr gute Köchin, mit der ich jetzt mehr koche. Sie zeigt mir Rezepte, die für meine Kultur typisch sind, zum Beispiel Burek. Das war für mich sehr interessant, weil ich ihr bis jetzt immer nur zugesehen habe. Das Kochen mit ihr hat mir viel Spaß gemacht. Natürlich passieren mir immer wieder Fehler. Bei meinen ersten Nudeln habe ich die Zwiebeln in der Pfanne verbrannt, weil die Temperatur zu hoch war.

Wie sieht es bei dir in der Schule aus?

Zurzeit gehe in die St. Christiana Rodaun, das ist eine Fachschule für wirtschaftliche Berufe. Wir haben unsere Aufgaben seit Beginn der Zeit per Microsoft Team bekommen. Es hat sehr gut funktioniert. Wir konnten auch unseren Lehrer bei Fragen anrufen oder anschreiben. Ich bin jetzt im Abschlussjahr und da habe ich mich gefragt, wie ich meinen Abschluss machen werde. Der wäre Mitte April gewesen. Der verschiebt sich jetzt nach hinten, wahrscheinlich um einen Monat. Da muss ich abwarten.

Bei uns sind die drei Hauptfächer Deutsch, Rechnungswesen und Englisch. Deutsch und Rechnungswesen haben wir schriftlich, Englisch hätten wir mündlich gehabt. Englisch wird entfallen, außer man will sich die Note verbessern. Ich bin mit meiner Note zufrieden und werde das nicht machen. Ich spreche sehr gut Englisch, aber das Schriftliche ist nicht meine Stärke. Ich hätte auch eine Prüfung als Restaurantfachmann und Koch, aber die wird wahrscheinlich auch entfallen. Bei der Prüfung müssten wir ein Menü zubereiten und Gäste an einem Tisch bedienen. Das ist wegen Corona vermutlich nicht möglich. Aber diese Prüfung wird man nachholen können. Wir haben an der Schule auch noch ein Wunschfach. Bei mir war das Fotografie und IT. Das wird eine schriftliche Prüfung, die werde ich machen.

Ich bereite mich jetzt auch in den Osterferien auf meinen Abschluss vor und lerne jeden Tag so ein, zwei Stunden Deutsch und Rechnungswesen, damit ich nicht alles vergesse. Ich muss bei meiner Abschlussarbeit eine Zusammenfassung und eine Erörterung schreiben und in Rechnungswesen kommen Bilanzen und Jahresabschluss und so. Wenn ich erst Ende Mai antrete, habe ich, wenn ich das nicht wiederhole, alles vergessen.

Wie geht es bei dir nach den Abschlussprüfungen weiter?

Mein Plan wäre gewesen, dass ich ab September in den Aufbaulehrgang gehe um die Matura in drei Jahren zu machen. Jetzt habe ich die Ausbildung zum Bürokaufmann, zum Restaurantfachmann und zum Koch. Jetzt wurde ich aber im Juni zum Bundesheer einberufen. Jetzt muss ich mich um einen Aufschub kümmern. Sollte das nicht funktionieren, kann ich den Aufbaulehrgang erst im nächsten Jahr beginnen. Ich hoffe, dass ich das mit der Einberufung regeln kann, denn ich bin jetzt gerade sehr motiviert, darum wäre dieser Lehrgang heuer perfekt für mich.

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Interview mit Kader, 17 Jahre und Cevded, 18 Jahre (geführt am 10. 4. 2020)

Wie geht es euch?

Kader: Eh gut.

Cevded: Ganz gut.

Du hast heute frei Kader?

Kader: Ich habe Zeitausgleich. Aber für morgen haben sie mich zur Arbeit gerufen. Ich glaube, einige sind krank, einige auf Urlaub. Meine Chefin braucht halt Mitarbeiter.

Du hättest aber morgen noch frei?

Kader: Ich hätte diese Woche noch Zeitausgleich und die nächste auch noch. Erst übernächste hätte ich angefangen. Aber ich arbeite nur morgen, dann habe ich hoffentlich wieder frei.

Cevded, wie geht es dir in der Kurzarbeit?

Cevded: Ich bin seit dem 16. März zu Hause und habe Sonderurlaub. Offiziell haben wir bis 30. April zu. Dann wird es wieder ein Meeting geben, bei dem sich entscheiden wird, ob wir noch länger geschlossen haben. Einmal schauen, was Sebastian Kurz sagt. Wir können ja nicht aufmachen, wenn er sagt, alles muss geschlossen sein.

Sonst bin ich immer zu Hause und gehe nur für Einkäufe aus der Wohnung.

Du arbeitest noch im Hotel?

Cevded: Ja, ich bin jetzt FMB-Manager geworden. Das heißt, ich leite im Hotel das Frühstück, bestelle die Ware mache Inventur und so weiter. Da war es gut, dass nicht so viel los war und ich mich gut einarbeiten konnte.

Und du, Kader, arbeitest an der Kassa?

Kader: Vorher war ich Feinkostverkäuferin, jetzt wurde ich Kassierin. Aber meine Dienste sind unterschiedlich. Manchmal sitze ich dauernd an der Kassa, manchmal mache ich die zweite Kassa und manchmal muss ich drinnen arbeiten.

Hauptkassa ist am besten. Du kannst zum Beispiel beim Arbeiten sitzen, wenn du willst. Weil ich so schnell an der Kassa bin, werde ich auch oft an der Hauptkassa eingesetzt. Vor allem jetzt, wenn wir viele Kunden haben.

Was sind eure Strategien, mit dem Zu-Hause-sein umzugehen?

Cevded: Das Daheimsein stört mich nicht. Da ich immer Frühdienst habe, muss ich sonst immer früh aufstehen. Da konnte ich mich jetzt einmal richtig ausruhen und entspannen. Weil meine Oma, die bei uns wohnt, auch zu Hause bleibt, habe ich ein bisschen Zeit für mich. Das einzig Blöde ist, dass ich mich nicht mit meinen Freunden treffen kann.

Ich geh auch jetzt später schlafen …

Kader: Das stimmt!

Cevded: Man kann auch länger wach bleiben und sich am nächsten Tag ausschlafen. Und diese Zeit ist auch nicht für immer. Irgendwann werden wir alle wieder einmal arbeiten gehen.

Wenn ich rausgehe, setze ich immer meine Maske auf, manchmal ziehe ich mir auch Handschuhe an. Aber die Handschuhe sind unbequem, weil man darin die Hände sehr schwitzen und das finde ich ekelhaft.

Kader: Das ist bei mir an der Kassa genauso.

Cevded: Die Regelung, dass beim Einkaufen alle einen Einkaufswagen nehmen müssen, finde ich gut, weil dann der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Wenn ich dann nach Hause komme, wasche ich gleich meine Hände und desinfiziere sie.

Wohnt eure Großmutter bei euch?

Kader: Ja.

Cevded: Genau. Sie wohnt bei uns, deshalb passen wir so genau auf. Wir wollen sie nicht in Gefahr bringen. Wir könnten ja auch die Träger des Corona-Virus sein. Darum greifen wir, wenn wir nach Hause kommen, nichts an, bevor wir die Hände nicht desinfiziert haben.

Was macht ihr den ganzen Tag?

Kader: Cevded und ich spielen am Handy gegeneinander Skibo.

Cevded: Ich schaue auch Netflix. Ich habe mir „Haus des Geldes“ angesehen.

Wir schlafen, stehen auf, frühstücken schauen fern, essen etwas dazwischen. Dann kommt wieder fernsehen und Handy, Social Media. Dann Abendessen und wieder fernsehen. Dann spielen wir wieder Skibo oder sind am Handy, dann gehen wir schlafen.

Am Anfang war die Zeit für uns schlimm. Das war etwas Neues für uns, alle zusammen zu Hause zu sein und nicht zu arbeiten. Wir waren jeden Tag in der Arbeit, fast arbeitssüchtig und da hatten wir dann ein paar Probleme. Aber nachdem wir ein paar Mal draußen waren, ist wieder gegangen. Mit der Zeit hat sich alles wieder beruhigt. Mein Vater ist manchmal unterwegs und trifft sich mit Freunden, natürlich mit Abstand. Mama ist zu Hause, alle Geschwister sind zu Hause.

Wie verhalten sich die Leute bei dir, Kader, beim Supermarkt?

Kader: Anders. Also die Leute sind viel netter, viel höflicher geworden.

Cevded: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind netter geworden. Auch viele Kunden halten Abstand, aber manche kümmern sich nicht um die Bestimmungen. Ich finde, die Leute sollten i den Supermärkten neben den Masken auch Handschuhe tragen. Es ist doch unhygienisch, wenn man Obst und Gemüse angreift.

Kader: Das stimmt.

Cevded: Ich finde, in den Geschäften sollten Handschuhe verfügbar sein.

Wie ist für dich, Kader, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren?

Kader: In der U-Bahn sitzen alle alleine ohne Nachbarn. Aber mich führt meistens mein Vater in die Arbeit, weil ich selbst ein wenig vor dem Virus fürchte. Heute bin ich mit der U-Bahn gefahren, da war nicht viel los. Ich habe gehört, dass ab nächster Woche alle in den öffentlichen Verkehrsmitteln Masken tragen müssen. Das find ich gut.

Bekommt ihr in der Arbeit Masken?

Kader: Ja, in der Arbeit haben wir Masken. Normalerweise werden sie verkauft, aber bekomme sie als Mitarbeiterin gratis. Das so einfache Masken, die auch Zahnarztassistentinnen haben.

Und was denkst du Cevded, wann du wieder arbeiten kannst?

Cevded: Ich denke, dass wir noch nicht öffnen sollten. Ich will arbeiten und ich liebe meine Arbeit. Ich vermisse alle meine Arbeitskollegen. Die Grenzen sind geschlossen, und die Regierung sagt, dass die Bevölkerung in Österreich Urlaub machen soll. Das heißt, es kommen keine Touristen und wer macht von den Österreicherinnen und Österreichern in Wien Urlaub? Es werden einige kommen, aber für uns werden es zu wenig sein. Wir haben fünf Häuser in Wien, eines davon am Flughafen …

Kader: … das wird sicher nicht geöffnet.

Cevded: Vielleicht öffnen wir nur ein Haus. Die Mitarbeiter werden aufgeteilt oder bleiben weiterhin zu Hause. Wir werden am 31. April Bescheid bekommen. Ich glaube, die Hotels werden im Rest des Jahres nicht so viel Geschäft machen. Wir in unserem Haus hatten letzten Sommer über zweihundert Frühstücke am Tag, das wird er vermutlich heuer nicht geben. Jeder hat Angst, jeder will nicht verreisen und bleibt gern zu Hause. Wir werden nur mehr Gäste aus den Bundesländern haben.

Wie stellt ihr euch eure Zukunft nach Corona vor? Wie geht es weiter?

Kader: Ich werde weiter bei mir in der Firma arbeiten und immer höher Aufsteigen, so wie mein Bruder. Irgendwann heiraten. Nicht gleich, erst so mit vierundzwanzig. Sonst hab ich kein Ziel, außer mit meiner Familie zu leben und weiter zu arbeiten. Aber ich hab noch gar nicht so genau darüber nachgedacht. Aber ich glaube Cevded hat mehr Ziele als ich.

Cevded: Eigentlich wollten wir diesen Sommer in die Türkei auf Urlaub fahren. Ich habe sogar drei Wochen Urlaub bekommen …

Kader: Ich auch.

Cevded: … sonst bekomme ich immer nur zwei Wochen. Jetzt werde ich eine Woche wieder absagen. Vielleicht machen wir heuer einmal Urlaub in Kärnten. Nach der Corona-Zeit werde ich wieder einmal viel Zeit mit meiner Oma verbringen. Sie ist jetzt seit einem Monat in der Wohnung und sie will dann jede Sekunde am Tag draußen bleiben, Zeit mit ihren Freunden verbringen. Ich glaube, meine Oma wird mich dann wieder sehr beschäftigen.

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