
Teenies und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu begleiten, erfordert eine verlässliche professionelle Beziehungsarbeit in einer für sie herausfordernden Lebensphase, die von multiplen Krisen, Umbrüchen und der Suche nach dem eigenen Weg geprägt ist.
Ein besonderes Herzstück dieser Arbeit im Jugendtreff Eleven ist der Dienstag, der ganz im Zeichen der Burschen*arbeit steht. Das Angebot an diesem Tag wurde über Jahre hinweg beharrlich aufgebaut und hat sich mittlerweile als fester Termin in der Lebenswelt unserer Besucher* verankert.
In den Burschen*runden im Jugendtreff Eleven wird das Vertrauen zu den Jugendarbeitern vertieft und es entsteht ein Rahmen, in dem unter anderem soziale Kompetenzen wie Konfliktfähigkeit und Selbstwirksamkeit im täglichen Miteinander gefestigt werden. Identität abseits von Klischees zu finden, Gefühle zuzulassen und Rollenbilder kritisch zu hinterfragen ist in den Burschen*runden genauso im Fokus wie Verantwortung für sich und andere übernehmen zu lernen.
Das alles und viel mehr passiert zum Beispiel beim gemeinsamen Kochen, bei sportlichen Wettbewerben oder in Gesprächen über das, was sie gerade bewegt. Die Burschen* entdecken hierbei neue Wege eine gesunde Männlichkeit zu entwickeln.

Neben der Auseinandersetzung mit Identitäts- und Genderfragen wird der Burschen*tag natürlich auch für Themen genutzt, welche die Jugendlichen sonst so beschäftigen. Ein immer wiederkehrendes Thema, welches nie an Bedeutung verliert, ist z.B. die Unterstützung beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt. Wir helfen den Jugendlichen vom ersten Entwurf des Lebenslaufs bis zur fertigen Bewerbung.
Die Vielfalt des Programms am Burschen*tag bietet aber auch immer wieder besondere Highlights. Ein aktuelles Beispiel war die gemeinsame Übernachtungsaktion im Jugendtreff, bei der mit den Burschen* nicht nur zusammen gekocht haben, sondern auch bis spät in die Nacht gespielt und viel geredet wurde. Solche intensiven Erlebnisse werden regelmäßig durch diverse Ausflüge und das Einladen von Expert:innen ergänzt. So konnten die Burschen* beispielsweise beim Besuch von First Love in einem vertrauensvollen Rahmen all jene Fragen stellen, die ihnen wichtig waren. Diese Mischung macht das Angebot am Dienstag so abwechslungsreich und beliebt. Durch die regelmäßige und beständige Angebotssetzung stehen auch der Planung und Umsetzung von zeitintensiveren Projekten nichts im Wege, wobei wir hier einen klaren Fokus auf Burschen*arbeit und Gender-Thematiken setzen. So planen wir mit den Burschen* zukünftig ein Musikvideo zu drehen.
Den Burschen*tag verknüpfen wir außerdem mit einer starken Präsenz in der Nachbarschaft. Durch aufsuchende Jugendarbeit gehen wir dorthin, wo die Burschen* sich im Sozialraum bewegen. In Parks und Fußballkäfigen suchen wir das Gespräch, bauen Barrieren ab und sind als greifbare Ansprechpersonen direkt vor Ort.
Die Förderung einer starken Burschen*arbeit und die beständige Präsenz im Bezirk sind ein wirksamer und nachhaltiger Weg, der sich schon heute bezahlt macht. Das zeigt sich uns an der hohen Resonanz und den stabilen Teilnehmer*zahlen am Burschen*tag. Wir beobachten außerdem eine positive Veränderung im Umgang miteinander, sowohl im Jugendtreff als auch im öffentlichen Raum und in der Reflexionsfähigkeit der Burschen*. Damit das so bleibt, braucht es weiterhin diese Kontinuität und Verlässlichkeit in der Burschen*arbeit, um die Teenies und Jugendlichen dabei zu begleiten, selbstbewusste und reflektierte Persönlichkeiten zu werden.
Husam Abdel-Qader
Jugendtreff Eleven