Psychosoziale Unterstützung muss auch leicht erreichbar sein – ohne komplizierte Anmeldung, ohne lange Wege und möglichst dort, wo junge Menschen ihren Alltag verbringen. Genau hier setzt OPSY – Offene Psychologie in Wiener Jugendzentren an: Klinische Psycholog:innen des PSD-Wien sind regelmäßig direkt in 6 Einrichtungen des Vereins Wiener Jugendzentren präsent. Jugendliche ab 14 Jahren können die Beratung freiwillig, kostenlos, auf Wunsch anonym und ohne vorherige Terminvereinbarung in Anspruch nehmen.
Opsy gibt es derzeit in 6 Einrichtungen:
Regelmäßige Präsenz schafft Vertrauen
Jugendzentren sind Orte, die junge Menschen freiwillig besuchen und an denen über längere Zeit tragfähige Beziehungen und Vertrauen entstehen. OPSY bringt professionelle psychologische Unterstützung genau in dieses vertraute Umfeld, die Jugendlichen entscheiden dabei selbst, ob sie die Unterstützung in Anspruch nehmen wollen. Das Angebot umfasst vertrauliche Einzelgespräche zu allen Themen, die Jugendliche beschäftigen oder belasten, Krisenintervention und Entlastungsgespräche sowie Gruppenangebote. Junge Erwachsene sollen einen sicheren Raum erhalten, an dem sie über psychische Gesundheit sprechen können. Bei Bedarf kann auch rasch zu anderen psychosozialen Angeboten der Stadt Wien vermittelt werden.
Das Projekt verbindet die Beziehungsarbeit und lebensweltliche Expertise der Offenen Jugendarbeit mit der klinisch-psychologischen Kompetenz und den weiterführenden Versorgungsstrukturen des PSD-Wien. Die enge Zusammenarbeit der beiden Wiener Einrichtungen ermöglicht Unterstützung aus einer Hand, ohne dass Jugendliche dafür ihr vertrautes Umfeld verlassen müssen.
Psychologische Hilfe wird selbstverständlich
Die Wirkung von OPSY geht über die einzelnen Beratungsgespräche hinaus. Durch die regelmäßige Anwesenheit der Psycholog:innen entstehen auch im offenen Betrieb alltägliche Begegnungen. Jugendliche erleben, dass Gleichaltrige psychologische Unterstützung selbstverständlich in Anspruch nehmen. Dadurch werden Berührungsängste und Vorurteile abgebaut und psychische Gesundheit wird innerhalb der Peergruppen zunehmend offen thematisiert. Die Verschwiegenheit, fachliche Unabhängigkeit und wertschätzende Haltung der Psycholog:innen schaffen dabei einen besonders geschützten und vertrauensvollen Rahmen.
Das Angebot erreicht zudem Personengruppen, die in klassischen Versorgungsstrukturen häufig schwerer anzusprechen sind. Rund drei Viertel der formellen Beratungsgespräche werden mit Burschen und jungen Männern geführt. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung zeigen zugleich, dass die Jugendlichen besonders das Vertrauen, die Verschwiegenheit, die unmittelbare Entlastung und den unkomplizierten Zugang schätzen. Mitarbeiter:innen der Jugendzentren nehmen OPSY darüber hinaus als wertvolle fachliche Zusatzressource und als Beitrag zum Abbau von Vorurteilen gegenüber psychologischer Beratung wahr.
Die Idee für das Projekt kam von den Jugendlichen selbst: Ein Besucher des Jugendzentrums Marco Polo in Floridsdorf brachte den Wunsch nach psychologischer Beratung in Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit bei der Wiener Kinder- und Jugendmillion ein. Der Vorschlag wurde vom PSD-Wien gemeinsam mit dem Verein Wiener Jugendzentren aufgegriffen und im Februar 2024 zunächst in Floridsdorf umgesetzt. Aufgrund der positiven Erfahrungen wurde OPSY anschließend über den Bezirk hinaus weiterentwickelt.