Ich wurde zur POIKA Fachtagung mit dem Thema Geschlechterreflektierte Kinder- und Jugendarbeit eingeladen, um eine Keynotespeech zu halten. Darin wurde die historische Entwicklung, aktuelle Praxis und zukünftige Impulse der queerfeministischen Mädchen*arbeit in Österreich, insbesondere in Wien, beleuchtet. Sie basiert auf der langjährigen Erfahrung und Praxis der Offenen Jugendarbeit im Verein Wiener Jugendzentren und reflektiert gesellschaftliche Veränderungen, (queer) feministische Bewegungen und intersektionale Ansätze.
Inhalt war ein Blick auf die Geschichte, Einflüsse, Themen und wichtige Errungenschaften sowie aktuelle Entwicklungen der queerfeministischen Mädchen*arbeit: Konzepte, Lebenslagen von Mädchen* und FLINTAs sowie Praxis-Visionen.
Ursprünge und Visionen
Die feministische Mädchen*arbeit entstand in den 1970er Jahren im Zuge der zweiten Frauen*bewegung als Reaktion auf patriarchale Strukturen und starre Geschlechterrollen. Seither entwickelte sie sich kontinuierlich weiter: In den 1980er Jahren wurden erste spezialisierte Einrichtungen wie „Amandas Matz“ und „Sprungbrett“ gegründet, im Verein Wiener Jugendzentren entstand der Arbeitskreis feministische Mädchen*arbeit. In den 1990ern wurde sie professioneller und strukturell verankert, mit wachsendem Fokus auf Lebensrealitäten junger Frauen*, Beratung und Aus-/Weiterbildung. Die 2000er brachten Gender Mainstreaming, digitale und interkulturelle Ansätze. Ab den 2010er Jahren erweiterte sich der Zugang zu einer queerfeministischen Perspektive, die auch trans, inter* und nichtbinäre Jugendliche einbezieht. In den 2020ern rückt die intersektionale Genderarbeit in den Mittelpunkt, mit Safe Spaces für FLINTAs. Digitale Jugendarbeit wird vermehrt für die queerfeministische Mädchen*arbeit genutzt.
Errungenschaften der feministischen Mädchen*arbeit:
- Institutionalisierung: queerfeminisiche Mädchen*arbeit ist heute ein fester Bestandteil der Offenen Jugendarbeit.
- Genderkompetenz: Ausbildung von Jugendarbeiter:innen umfasst Gender- und Diversity-Kompetenzen.
- Raumangebote: Schaffung von Mädchen*räumen, FLINTA-Räumen und Schutzräumen, wie safer/braver spaces.
- Partizipation & Empowerment: Mädchen* werden aktiv in die Gestaltung ihrer Lebenswelt einbezogen.
- Wissenschaftlicher Diskurs: Einfluss von Gender Studies und kritischer Medienpädagogik.

Visionen:
- Intersektionale queerfeministische Mädchen*arbeit: Fokus auf Vielfalt, Antidiskriminierung, Solidarität und Zivilcourage.
- Digitale Kompetenzen: Nutzung von Online-Räumen für Beratung, Bildung und Vernetzung.
- Re-Politisierung: Mädchen*politik und Lobbyarbeit für FLINTAs.
- Ambiguitätstoleranz: Akzeptanz unterschiedlicher Lebensentwürfe und Identitäten.
- Beziehungsarbeit: Langfristige Bindung durch vertrauensvolle Beziehungen zu Jugendarbeiter:innen.
- Forderung nach Forschung und Lehre: Weiterentwicklung durch wissenschaftliche Begleitung.
Miteinander queer
Die wertschätzende Anerkennung der Errungenschaften feministischer Mädchen*arbeit bildet eine zentrale Grundlage für das Verständnis für die erweiterten, intersektionalen Perspektiven und Forderungen queerfeministischer Jugendarbeit. Wesentlich ist es, die Vielfalt an Themen und Positionen sichtbar zu machen und sich gemeinsam für deren Anerkennung und Umsetzung einzusetzen, im Dialog, in Diskussion, im Aushandeln, im gemeinsamen Lernen und im solidarischen Handeln. Nur durch ein solches Miteinander kann eine zukunftsweisende, gerechte und inklusive queerfeministische Mädchen*arbeit gelingen.
Magdalena Mangl, Pädagogische Bereichsleitung
