Erfahrungsbericht aus der Offenen Jugendarbeit
Wenn über Gaming gesprochen wird, spielt auch die Spieleplattform Roblox eine zentrale Rolle. Laut dem aktuellen Jugend-Internet-Monitor nutzen 23% der 11 bis 17-jährigen Jugendlichen in Österreich die Online-Spieleplattform. Vor allem bei Teenies ist die Plattform beliebt, da man hier in unterschiedliche Welten eintauchen kann. Auf der Plattform gibt es die Möglichkeit verschiedene Spiele auszuprobieren. Roblox ist kostenlos, mittels eigenem Avatar kann man miteinander schreiben oder den Voice-Chat verwenden.
Auch bei Back on Stage 10 (BoS10) ist die Beliebtheit der Plattform bekannt. Jugendarbeiter Yasin hatte deshalb die Idee, im Rahmen der medienpädagogischen Arbeit einen Gaming-Abend zu organisieren, um gemeinsam mit der Zielgruppe Roblox zu erkunden. Yasin berichtet von seinen Erfahrungen:

Spiel & Spaß, aber auch Bedenken
Im ersten Schritt habe ich mir im Rahmen der medienpädagogischen Arbeit einen Account erstellt, um digital in die Lebensrealität der Jugendlichen einzutauchen und mich kritisch damit auseinanderzusetzen. Daraufhin habe ich einen Gaming-Abend in unserem Jugendbetrieb ausgerufen. Einige motivierte Stammbesucher:innen spielten auch schnell mit mir: Zwei Mädchen* und neun Burschen*, alle zwischen 14 und 17 Jahre. Anfangs spielten wir "Murder Mystery", wo sich die Spieler:innen in einem Bürogebäude befinden. Dort gibt es eine:n Mörder:in, einen Sheriff und weitere Unschuldige. Ziel des Spiels ist es, als Mörder:in alle anderen umzubringen, und als Sheriff das zu verhindern. Alle anderen versuchen zu überleben. Die Mädchen* haben sich bei diesem Spiel viel besser ausgekannt, da sie es schon öfter gespielt hatten.
An der Stelle muss erwähnt werden, dass die USK Anfang 2025 eine Altersfreigabe ab 16 Jahren vergeben hat. Zum einen weil viele Spiele gewaltverherrlichende Elemente haben, wie zum Beispiel das Spiel „Murder Mystery”. Zum anderen weil man dort auch diverse Elemente kaufen oder einen privaten Server aufmachen kann, um nur mit Freund:innen zu spielen. Ein weiterer Grund ist, dass mittels Chat-Funktion auch Nachrichten von fremden Personen erhalten werden können. Durch die Anonymität hinter den Avataren kommt es öfters zu Mobbing, beispielsweise aufgrund des Aussehens des Avatars oder des Usernamen.
Als zweites Spiel haben wir Tennis gespielt. Man kann es in verschiedenen Teamgrößen von 1 vs. 1 bis zu 3 vs. 3 spielen, wir wählten die 2 vs. 2 Version. Während wir spielten ergaben sich einige Gespräche mit den Jugendlichen. Wir fragten nach, ob und wenn ja wie viel Geld sie bisher für das Spiel ausgegeben haben. Fast alle meinten, dass sie bereits viel Geld in Roblox gesteckt haben, manche sogar bis zu 500€. Es gibt auch einen Gaming-Pass für 12€ pro Monat, mit dem man zusätzliche Spiele spielen kann oder die spielinterne Währung (ROBUX) erhält. Auch diesen hatten bereits einige der Jugendlichen abonniert. Die Kaufoptionen hören da aber nicht auf: In den Minispielen kann man zusätzlich Figuren oder Elemente kaufen, was dann auch schon mal einige Robux (1 Robux = 1 Cent) kostet. Viele Spiele sind so gestaltet, dass sie zum Kauf anregen, weil man sich dadurch Vorteile verschaffen kann.

Warum spricht Roblox viele junge Menschen an?
Roblox ist im Wesentlichen keine klassische Spieleplattform. Für Kinder und Jugendliche ist sie die digitale Freiheit: Sie dient zur Kommunikation, sowohl zwischen Freund:innen als auch, um neue Personen kennenzulernen. Es gibt unterschiedliche Games, von ruhigeren Spielen, wo man z.B. einfach einen Garten gestalten kann, bis hin zur Jagd von Vampiren. Ein weiterer Faktor ist, dass es auf dieser Plattform viele nachgeahmte Free-to-Play-Games gibt, z.B. Fußballkarten ziehen wie bei FC25 Ultimate Team. Diese Versionen erhalten zwar nicht alle Funktionen wie die originalen Spiele, Jugendliche spielen sie jedoch trotzdem gerne, da sie kostenlos sind und eine fesselnde Wirkung auf die Zielgruppe haben. Außerdem gibt es Spiele bzw. eigene Server-Räume wie „vibe place“, die als Dating- und Flirtplattform dienen. Dabei ist jedoch nicht sicher, wer hinter den Skins (kosmetischer Gegenstand, um das Aussehen des Avatars zu verändern) steckt. Die beliebtesten Spiele sind laut den BoS10 Jugendlichen: "Steal a Brainrot" (beliebt dienstags & samstags, weil es da Events gibt), "Grow a Garden", "Brookheaven", "Notruf Hamburg", "Piggy" und "Block Fruits".
Mein Fazit
Als Jugendarbeiter:in ist es wichtig Roblox zu beobachten, da viele Kinder und Jugendliche dort täglich Zeit verbringen. Die Plattform ist ein sozialer Treffpunkt, an dem sie spielen, chatten und sich austauschen. Sie ist also Teil ihrer Lebenswelt. Es gibt viele Möglichkeiten unsere Zielgruppe zu schützen und aufzuklären, so dass sie Spaß haben können, ohne in Gefahr zu geraten. Dieser digitale öffentliche Raum sollte nicht unbeobachtet bleiben.
Ich werde jedenfalls weiterhin versuchen gemeinsam mit Jugendlichen freitagabends solche analogen Roblox-Treffen auszumachen, um von ihnen zu lernen. Diese analogen Treffen mit Jugendlichen sind im Anfangsstadium sehr wichtig, um die Gaming-Community aufzubauen. Die Plattform bietet die Funktion sich zu befreunden, wodurch man sieht, wer online ist und wer welche Games spielt. Baut man sich durch analoge Treffen bereits einige dieser sogenannten „Connections“ auf, kann man im Zuge von Digital Streetwork auf Roblox auch mehr Personen erreichen, da man – ähnlich wie bei Snapchat – weitere User:innen vorgeschlagen bekommt.
Yasin, Back on Stage 10
