Ansichten und Einblicke aus der Offenen Jugendarbeit

Die Debatte um ein Social-Media-Verbot für Minderjährige hat sich in den letzten Wochen und Monaten intensiviert. Expert:innen, Politiker:innen und viele andere fordern Altersgrenzen, um Kinder und Jugendliche beispielsweise vor Sucht, Mobbing und psychischen Schäden zu schützen. Auch wir vom Verein Wiener Jugendzentren würden eine bessere Regulierung jedenfalls begrüßen und unterstreichen, was der Berufsverband der Psycholog:innen und andere Fachstellen formuliert haben:
Kinder und Jugendliche befinden sich mitten in der Entwicklung von Selbstwert, Identität und sozialen Kompetenzen. Social Media verstärkt Vergleichsdruck, birgt Suchtpotenzial und konfrontiert mit problematischen Inhalten. Das kann belasten, vor allem wenn es unkontrolliert, zu früh oder zu intensiv genutzt wird.
Gleichzeitig wissen wir aus der Kinder- und Jugendarbeit, dass die Sozialen Netzwerke zentrale Begegnungs- und Kommunikationsräume sind und nicht zuletzt auch zur Informationsbeschaffung genutzt werden. Gerade deshalb halten wir es für enorm wichtig, Kindern und Jugendlichen zuzuhören und mit ihnen gemeinsam auch zu besprechen, was verbessert werden bzw. stattdessen diese Funktionen erfüllen könnte.

In unseren Jugendeinrichtungen finden viele Gespräche rund ums Thema Social Media statt. Zuletzt auch konkret zu einem möglichen Verbot für Minderjährige. Wir haben einige Meinungen der Jugendlichen zusammentragen.
Regulierung und Medienkompetenz als Schlüsselfaktoren
Klar ist, dass das Internet und die Sozialen Netzwerke keine rechtsfreien Räume sind und auch nicht ungeregelt sein sollten. Dennoch ist festzuhalten, dass ein reines Verbot kein Allheilmittel und auch nicht zielführend ist. Parallel braucht es eine Auseinandersetzung mit den Facetten, Möglichkeiten sowie Gefahren von Social Media und einen verstärkten Fokus auf Medienkompetenz und Informationskompetenz.
Darüber hinaus ist es wichtig, das Thema Künstliche Intelligenz (KI) stärker in den Fokus zu nehmen und insbesondere die Anwendung und auch die Auswirkung auf das Zusammenleben zu diskutieren. Der aktuelle Internetmonitor von Safer Internet zeigt, dass die Social-Media-Nutzung leicht rückläufig ist, allerdings KI immer relevanter wird – als Infoquelle, als Buddy oder als Ratgeber bzw. Beratungseinrichtung. All das muss thematisiert werden, und zwar proaktiv in der Schule, in der Jugendarbeit, in der Politik und im besten Fall in der ganzen Gesellschaft.

Offene Jugendarbeit als Ort der Begegnung
Die Offene Jugendarbeit leistet hier wesentliche Beiträge. Wir sind seit vielen Jahren in der Online-Jugendarbeit bzw. im Digital Streetwork aktiv – wir gehen also dorthin, wo Jugendliche sich treffen und stellen uns als Ansprechpartner:innen zur Verfügung. Wir bieten vorurteilsfreie Diskussionsräume – online wie offline – in denen sie sich vertrauensvoll an uns wenden und über alles mit uns reden können. Zudem versuchen wir Gelegenheiten zu schaffen, um auch positive Erlebnisse und Erfahrungen im Bereich der Social-Media- und KI-Nutzung zu schaffen.

Verein Wiener Jugendzentren
